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Über lernwerkstatt.digital

Hallo, mein Name ist Roman Prydaczenko. Ich bin Lehrer und unterrichte die Fächer Sozialkunde und Erdkunde. Wenn ich nicht gerade Unterricht gestalte oder Zeit mit meiner Familie verbringe, beschäftigt mich die Frage, wie Digitalisierung und Bildung gemeinsam neue Wege gehen und selbstbestimmtes Lernen ermöglichen können. Was dich auf lehrwerkstatt.digital erwartet und was mich dabei bewegt findet ihr auf dieser Seite (noch sind nicht alle Inhalte geladen, sind aber bald fertig …).


„Wir bilden derzeit Lernende für Arbeitsplätze aus, die noch nicht existieren, um Technologien einzusetzen, die noch nicht erfunden wurden, damit sie Probleme lösen, von denen wir noch nicht einmal wissen, dass sie Probleme sein werden.“ – Richard Riley, ehem. US-Bildungsminister


Wie kann Digitalisierung meinen Unterricht positiv verändern?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Diese Frage finde ich gar nicht so leicht zu beantworten und ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob meine Antwort hierauf endgültig ist. Selbst während ich diese Seite gestaltet habe, hat sich mein Blick darauf nochmals leicht verändert. Obendrein ist dabei noch eine ganz andere Frage aufgetaucht, die sich in den Vordergrund drängte und nach einer Antwort verlangte: Was verstehe ich eigentlich unter Lernen? Die Antwort hierauf fiel mir wiederum nicht ganz so schwer, es dauert jedoch eine Weile, bis ich sie für mich klar formuliert hatte: Ich denke Lerne sollte heute in jedem Fall selbstbestimmtes Lernen sein.


Was ist selbstbestimmtes Lernen?

Vor beinahe zehn Jahren habe ich ich mich im Zuge meiner Staatsexamensprüfung mit Formen und Möglichkeiten offenen Lernens auseinandergesetzt und entsprechende Unterrichtseinheiten geplant. Der Grundansatz, dass hierbei nicht ich als Lehrender im Mittelpunkt stehe, sondern die Lernenden mit all ihren unterschiedlichen Fähigkeiten, Strategien und Standpunkten, gefiel mir von Anfang an. Auch das Feedback der Schüler*innen war mehrheitlich positiv. Lange Zeit konnte ich daran leider nicht so anknüpfen, wie ich es gerne getan hätte – der Wunsch dagegen blieb stets bestehen.

Aus heutiger Sicht finde ich den Begriff des offenen Lernens (oder auch offenen Unterrichts) schwierig, weil er zunächst sehr unbestimmt ist. Im Kern geht es jedoch darum, dass Schüler*innen selbstbestimmt lernen, und die Antwort auf viele Fragen selbst formulieren (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

    • Wo und wann soll ich lernen?
    • Mit wem kann und will ich lernen?
    • Brauche ich Unterstützung beim Lernen?
    • Was will ich lernen?
    • Welchen Lernweg möchte ich beschreiten?
    • Welche (Lern)Ziele kann ich mir setzen?
    • In welcher Geschwindigkeit kann ich lernen?

Im besten Falle können und dürfen Schüler*innen auf ganz viele dieser Fragen selbst eine Antwort geben. Ich denke aber auch, dass selbstbestimmtes Lernen bereits dort anfängt wo Schüler*innen die Möglichkeit haben auf eine dieser Fragen selbst zu antworten. In diesem Sinne verstehe ich selbstbestimmtes Lernen auch als Teil einer zeitgemäßen Bildung, wie sie Dejan Mihajlovic hier formuliert hat.


Reload: Wie kann Digitalisierung meinen Unterricht positiv verändern?

Die Frage verstellt eigentlich den Blick auf das Wesentliche. Mittlerweile denke ich, dass in erster Linie ein alternatives Verständnis von Lernen den Unterricht positiv verändern kann: Wissensaneignung statt Wissensvermittlung. Die Digitalisierung kann dabei ein Wegbegleiter sein, sie ist quasi „nice to have“, jedoch kein „must-have“. Aus heutiger Sicht stellt sich für mich daher die Frage: Wie können selbstbestimmtes Lernen und Digitalisierung Hand in Hand gehen? Eine erste Antwort darauf liefert Lisa Rosa in der folgenden Gegenüberstellung:

Schule und Lernen im BuchdruckzeitalterSchule und Lernen im digitalen Zeitalter
lehrerzentriertlernerzentriert
belehrenderforschend
systematischproblemorientiert
objektivistischperspektivisch
dekontextualisiertkontextualisiert
alleinim Austausch
festliegendes Ergebnisergebnisoffen
vorgegebene Bedeutungpersönlicher Sinn
ohne Mitbestimmung*Mitbestimmung erwünscht*
Denkmodell: BüffelnDenkmodell: Rauskriegen
Quelle: Lisa Rosa (28.11.2017): Lernen im digitalen Zeitalter. Blog: https://shiftingschool.wordpress.com/2017/11/28/lernen-im-digitalen-zeitalter CC-BY / Außerdem zu finden bei Jöran Muuß-Merholz (19.02.2019): Aufforderung zum Tanz! Damit neue Medien nicht alte Pädagogik optimieren. Internet: https://www.joeran.de/wp-content/dox/sites/10/Joeran-Muuss-Merholz-2019-Aufforderung-zum-Tanz.pdf

Die Aspekte, die hier für Schule und Lernen im digitalen Zeitalter formuliert sind, sind absolut kompatibel mit selbstbestimmtem Lernen wie ich es verstehe und erweitern diesen Begriff. *Ich würde die gezeigte Übersicht außerdem noch um den Gegensatz ohne Mitbestimmung – Mitbestimmung erwünscht ergänzen.

Ganz konkret bietet die Digitalisierung neue Möglichkeiten selbstbestimmtes Lernen zu fördern und Lernprozesse neu zu entdecken, weil…

… kollaboratives Arbeiten unabhängig von Raum und Zeit möglich wird: Mittlerweile bieten die gängigen Office-Anwendungen und Eatherpads die Möglichkeit in Echtzeit mit mehreren Nutzern gleichzeitig an Dokumenten, Präsentationen, etc. zu arbeiten. Zeit zur Zusammenarbeit und Präsenzzeit (z.B. im Unterricht) können dadurch relativ einfach entkoppelt werden.

… neue Werkzeuge verfügbar sind, die unterschiedliche Medien zu bestimmten Fragestellungen bündeln, welche zum selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Lernen motivieren oder mit deren Hilfe sich Lernprozesse (anders) organisieren lassen. Eine Übersicht über Werkzeuge, die ich zur Zeit nutze, findest du hier.

… der Austausch zwischen allen am Lernprozess teilnehmenden Akteuren heute so einfach ist wie nie zuvor. So erreiche ich heute wesentlich mehr Personen, mit denen ich in den Diskurs treten kann, von denen ich ein Feedback bekommen oder mich inspirieren lassen kann.


Was ist lernwerkstatt.digital?

Mein Ziel ist es meinen Unterricht weiterzuentwickeln: Meinen Schüler*innen möchte ich ein selbstbestimmtes Lernen ermöglichen, ihre Kreativität und Zusammenarbeit fördern, sowie sie zu Kritikfähigkeit und Partizipation über die Schule hinaus ermutigen. Die Digitalisierung unserer Gesellschaft bietet hierzu neue Möglichkeiten, die ich gerne nutzen möchte. In diesem Sinne verstehe ich lernwerkstatt.digital als einen Raum, der dazu einlädt selbstbestimmtes Lernen zu wagen und in diesem Zuge auch Möglichkeiten der Digitalisierung zu entdecken. Ich möchte an dieser Stelle keine fertigen Rezepte oder Produkte liefern, sondern mich über den Gebrauch meiner Werkzeuge und Materialien austauschen. Mich selbst begreife ich dabei ausdrücklich als Lernenden. Du bist daher herzlich eingeladen, die Werkzeuge und Materialien, die du hier vorfindest, zu gebrauchen, weiterzuentwickeln und deine Erfahrungen mit mir zu teilen. Folgende Bereiche erwarten dich auf lernwerkstatt.digital:

In meinem Blog werde ich immer mal wieder darüber berichtem, was mich gerade hinsichtlich der Themen selbstbestimmtes Lernen und Digitalisierung beschäftigt oder zum Nachdenken anregt. Außerdem werde ich hier über Neuigkeiten auf lernwerkstatt.digital informieren. 

In der Werkzeugkiste findest du einen Überblick über Apps und  Anwendungen, die ich häufig und gerne im Unterricht oder bei der Planung nutze. Ich werde versuchen nach und nach kurze Rezensionen darüber zu verfassen, wie diese mich in meiner Unterrichtsentwicklung unterstützen.

An der W[OER]kbank findest du Materialpakete und Einheiten zum selbstbestimmten Lernen, die ich  für meinen Unterricht nutze und die du gerne selbst verwenden kannst (OER steht für Open Educational Resources, mehr zum Konzept der OER findest du hier). 

Die Ausstellungsfläche ist für meine Schüler*innen reserviert, um ihre Werke der digitalen Öffentlichkeit präsentieren zu können.


Warum ich Bildungsmöglichkeiten frei teilen möchte


Aus meiner Sicht ist Bildung kein Zustand sondern ein Prozess, der jedem Einzelnen die Möglichkeit eröffnet, Neues zu entdecken und zu erlernen sowie Bestehendes zu überdenken, zu verändern oder aus einer anderen Perspektive neu zu sehen. Ich bin davon überzeugt davon, dass diese Motivation tief in uns verankert ist und immer wieder an die Oberfläche tritt. Daher begreife ich Bildung nicht nur als Prozess des Möglichen, sondern auch als Recht, dass jedem Einzelnen zusteht. Damit Bildung in diesem Moment selbstbestimmt gelingen kann, darf es folglich keinerlei Restriktionen geben. Bildung ist in diesem Sinne ein öffentliches Gut, das für jeden frei zugänglich sein sollte und von allen gleichzeitig genutzt werden kann. Darüber hinaus geht es auch – wie Benjamin Wolba zurecht behauptet – um Chancengleichheit: Paywalls und Copyright stellen Barrieren für den freien Zugang zu Wissen und Chancengleichheit für Menschen weltweit dar.

Welche Konsequenzen folgen daraus für mich? Um diesem Ansprüchen gerecht zu werden, bedarf es aus meiner Sicht freier Lehr- und Lernmaterialien (Open Educational Resources – OER). Auf lehrwerkstatt.digital findest du daher nur frei zugängliche Bilgungsmöglichkeiten und keinen geschlossenen Bereich. Alle von mir erstellten Inhalte kannst du gerne unter der Lizenz CC BY 4.0 verwenden, d.h du kannst sie unter Angabe des Urhebers vervielfältigen, weiterverbreiten, bearbeiten und darauf aufbauen – für beliebige Zwecke, sogar kommerziell. Inhalte, die ich nicht selbst erstellt habe, sind an anderer Stelle ebenfalls frei zugänglich und mit der entsprechenden Quellenangabe und Lizenz versehen. 
Eine kurze Einführung zu OER bietet das folgende Video (Klicke auf das Bild, um das Video zu öffnen. Du gelangst du auf eine externe Seite von YouTube.com):